Schlagwort: Raketenangriffe

Medien zum Raketenangriff auf die Ukraine

Daten zu Massenraketenangriffen von General Staff of the Armed Forces of Ukrain:

Die Russische Föderation hat 84 Marschflugkörper und 24 unbemannte Luftfahrzeuge eingesetzt, darunter 13 iranische Shahid-136.
56 Ziele wurden zerstört. Darunter sind 43 Marschflugkörper und 13 UAVs (10 davon Kamikaze-Typen).

«Frankenpost» (Hof) zum Raketenangriff auf die Ukraine

«Obendrein erweist sich der Kriegstreiber als erbärmlicher Lügner, wenn er die Raketenangriffe als »Reaktion auf Terrorschläge gegen russisches Gebiet« legitimiert. Putin dreht das Täter-Opfer-Schema um: Er ist der Täter, er überzieht die Ukraine mit Krieg, Tod, Zerstörung. Die tapferen Ukrainer sind diejenigen, die reagieren. Vergeltung dafür, dass jemand – es ist nicht klar, wer – Putins Krim-Brücke angegriffen hat, spielt hier die kleinste Rolle. Es geht einzig und allein darum, dass Putins Truppen auf dem Boden der Ukraine mit dem Angriffskrieg nicht vorankommen. Der frustrierte Kremlchef schlägt wütend um sich, um in Moskau von seinen Misserfolgen abzulenken, bevor sie ihn selbst Kopf und Kragen kosten.»

«Heilbronner Stimme» zum Krieg in der Ukraine

Eine weitere, schnelle Eskalation der Angriffe ist wahrscheinlich, doch viel mehr Spielraum dafür gibt es kaum. Die Ukrainer lassen sich nicht einschüchtern und der Westen wird seine Unterstützung nach dem gestrigen Tag ausweiten – entsprechende Signale kamen sogleich von der Nato. Was bleibt dann noch für Putin? Der Einsatz von Atomwaffen, den er vielfach angedroht hat? Die westlichen Alliierten, allen voran die USA, haben sehr klar gemacht, dass Putin diese Linie nicht überschreiten darf. Es wäre sein sicherer Untergang. So bleibt die Frage: Ist der Krieg in der Ukraine in einem furchtbaren Endstadium angelangt?

«Frankfurter Allgemeine Zeitung» zu Luftangriffe/Ukrainische Städte

(…) Der Westen hat zu Recht empört reagiert. Der Beschuss im mor-gendlichen Berufsverkehr ist genauso gewissenlos wie der russische Überfall selbst und wie die vielen Verbrechen, die Putin und seine Invasionsarmee sich schon haben zuschulden kommen lassen. Dass Russ-land noch den Luftraum von Moldau verletzte, ist da nur eine Fußnote, aber es ist bezeichnend für die weitgehende Rechtlosigkeit, die das Handeln des Kremls mittlerweile bestimmt. In Deutschland wird die Am-pelkoalition sogar aus den eigenen Reihen immer wieder dafür kriti-siert, dass sie angeblich nicht die richtigen Waffen an die Ukraine liefere. Das Luftverteidigungssystem, das Scholz schon im Sommer zu-gesagt hatte, kommt nun gerade recht.

Illustrationen: Генеральний штаб ЗСУ / General Staff of the Armed Forces of Ukraine

Putin befiehlt Raketenangriffe auf Ukraine: Tote und Verletzte

Von André Ballin, Hannah Wagner, Wolfgang Jung und Ulf Mauder, dpa

Viele Menschen sind gerade auf dem Weg zur Arbeit, als die russischen Raketen einschlagen. Der Kremlchef zieht seine bisher folgenreichste Operation im Ukraine-Krieg durch. Einige sehen in ihr ein neues Zeichen für Putins Verzweiflung nach Monaten ohne echte Erfolge.

Mit tödlichen Angriffen Dutzender russischer Raketen auf die Ukraine hat Kremlchef Wladimir Putin auf die Explosion auf der Krim-Brücke reagiert. Bei der massenhaften und bisher beispiellosen Bombardierung der ukrainischen Hauptstadt Kiew und anderer Städte in dem seit fast acht Monaten mit Krieg überzogenen Land starben mindestens elf Menschen, mehr als 80 wurden verletzt. Von einem «Akt des Terrors» sprach der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Viele Menschen in Kiew und anderen Städten waren am Montagmorgen auf dem Weg zu Arbeit, als die Raketen einschlugen, Straßen und Häuser zerstörten und auch Autos in Brand setzten. Landesweit gab es Luftalarm. Das Entsetzen in der Ukraine und weltweit war groß.

«Die ganze Welt sah nun wieder das wahre Gesicht eines Terrorstaates, der unsere Menschen tötet», sagte Selenskyj. Russland kämpfe nicht auf dem Schlachtfeld, sondern greife friedliche Städte mit Raketen an. Putin versuche, die Ukraine als Staat zu vernichten. Der Präsident forderte in Gesprächen mit westlichen Staats- und Regierungschefs unter dem Eindruck der Angriffe noch mehr schwere Waffen, um die Ukraine von dem russischen Aggressor zu befreien.

Putin nannte den Angriff eine Reaktion auf die «Terroranschläge» gegen russisches Gebiet. Am Samstag hatte eine Explosion die 19 Kilometer lange Brücke erschüttert, die Russland und die 2014 von Moskau annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim verbindet. Putin machte am Sonntag den ukrainischen Geheimdienst SBU dafür verantwortlich.

Bundesregierung sichert Ukraine Unterstützung zu

Die Bundesregierung und viele andere Staaten sicherten der Ukraine neue Unterstützung zu. Kanzler Olaf Scholz (SPD) telefonierte nach dem Angriff mit Selenskyj und versprach die Solidarität Deutschlands und der anderen G7-Staaten.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: «Wir tun alles, um die ukrainische Luftverteidigung schnell zu verstärken.» Mit Blick auf das russische Raketenfeuer von Menschen in Todesangst im Kiewer Morgenverkehr und einem Einschlagskrater neben einem Spielplatz betonte sie: «Es ist niederträchtig und durch nichts zu rechtfertigen, dass Putin Großstädte und Zivilisten mit Raketen beschießt.»

Insgesamt feuerte Russland mehr als 80 Raketen auf ukrainische Städte ab. Allein in Kiew kamen nach Angaben von Bürgermeister Witali Klitschko 5 Menschen ums Leben, 52 wurden verletzt. Betroffen waren unter anderem auch die Städte Dnipro, Saporischschja und Krywyj Rih im Osten sowie Lwiw, Chemelnyzkyj und Schyytomyr im Westen oder Mykolajiw im Süden des Landes.

Der Militärgouverneur der Region Dnipropetrowsk, Walentyn Resnitschenko, sprach von einem «massiven Raketenangriff auf das Gebiet» und klagte über Tote und Verletzte. In vielen Regionen ist der Strom, in einigen die Heizung und die Wasserversorgung ausgefallen. In Kiew schlugen die Geschosse laut Bürgermeister Klitschko im Zentrum ein. Erst nach mehr als fünfeinhalb Stunden wurde der Luftalarm in der Hauptstadt aufgehoben.

Russischer Präsident droht mit noch härterem Vorgehen

Ziele der Präzisionswaffen seien die Energieinfrastruktur, militärische Anlagen und das Fernmeldewesen gewesen, sagte Putin bei einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates. Der 70-Jährige drohte mit noch härterem Vorgehen. «Daran sollte niemand irgendwelche Zweifel haben.» Abgefeuert worden waren die Raketen vom Schwarzen Meer, von Bombern der Luftstreitkräfte und vom Boden.

Der ukrainische Geheimdienst SBU hat eine Beteiligung an der Explosion auf der Krim-Brücke nicht eingeräumt, machte sich am Samstag aber lustig über das brennende Bauwerk, das ein Herzensprojekt Putins ist. Schon am Sonntagabend drohte Putins Vertrauter, Ex-Präsident Dmitri Medwedew, mit einen Schlag. Die SBU-Zentrale liegt im Zentrum Kiews. Moskau hatte wiederholt gedroht, Kommandostellen in der ukrainischen Hauptstadt zu beschießen, wenn der Beschuss russischen Gebiets nicht aufhöre.

Medwedew meinte am Montag, dass dies erst der Anfang sei. «Die erste Episode ist vorbei. Es wird weitere geben», schrieb der Vizechef des Sicherheitsrats im Nachrichtendienst Telegram. Der ukrainische Staat sei in seiner jetzigen Form eine ständige Bedrohung für Russland. Deshalb müsse die politische Führung des Nachbarlands vollständig beseitigt werden.

Ukraine weist Putins Terrorvorwürfe kategorisch zurück

Die Ukraine machte einmal mehr deutlich, dass nicht sie Russland provoziere, sondern Moskau einen Krieg gegen das in die EU und Nato strebenden Land führe. «Nein, Putin wurde nicht von der Krim-Brücke zum Raketenterror „provoziert“», teilte Außenminister Dmytro Kuleba per Twitter mit. «Russland hatte die Ukraine auch vor der Brücke ständig mit Raketen getroffen. Putin ist verzweifelt wegen der Niederlagen auf dem Schlachtfeld und versucht mit Raketenterror, das Kriegstempo zu seinen Gunsten zu ändern.»

Die Brücke zur Krim ist auch als Nachschubroute für den russischen Angriffskrieg wichtig, weil von dort aus die Truppen im Süden der Ukraine im Gebiet Cherson und Saporischschja versorgt werden. Das Bauwerk hat zudem einen hohen symbolischen Wert für die Führung in Moskau. Sie ist aber auch Lebensader für die Menschen auf der Halbinsel, die elementare Dinge wie Lebensmittel und Treibstoff erhalten. Der Verkehr über die Brücke, die einen Eisenbahn- und einen Autobahnteil hat, lief am Montag wieder weitgehend.

Putin hatte den Angriff auf die Ukraine am 24. Februar befohlen. Der Krieg dauert nun bald acht Monate. Zugleich versuchte der Kremlchef die alleinige Verantwortung für das Blutvergießen von sich zu weisen. Er habe mit den Massenbombardements einen Vorschlag der Militärführung umgesetzt. Das Verteidigungsministerium stand bei Feldkommandeuren, kremlnahen Militärbloggern und Ultranationalen in der Kritik, zu zögerlich vorzugehen in der Ukraine.

Neuer Befehlshaber der russischen Truppen erstmals in Aktion

Zur Freude der radikalen Kräfte war auf Geheiß Putins am Samstag der Armeegeneral Sergej Surowikin eingesetzt worden. Der 55-Jahrige gilt als besonders brutal – und vor allem als Offizier mit breiter Erfahrung in Kriegen, darunter in Syrien und davor in der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus. Für Surowikin war der Montag mit den Bombardements der erste Arbeitstag auf neuem Posten.

Der «Held Russlands» soll für Putin die Wende bringen in dem Krieg nach vielen Erfolgen der ukrainischen Armee bei ihrer Verteidigungsoffensive und der Rückeroberung vieler Ortschaften. Die russische Armee hatte sich zuletzt aus dem Gebiet Charkiw zurückgezogen und musste auch die strategisch wichtige Stadt Lyman im Gebiet Luhansk aufgeben.

Dagegen setzt die Ukraine nun auf noch mehr Waffenlieferungen aus dem Westen. «Die beste Antwort auf den russischen Raketenterror ist die Lieferung von Flugabwehr- und Raketenabwehrsystemen an die Ukraine», betonte der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow. Russland halte Raketenangriffe für ein wirksames Mittel zur Einschüchterung. Das seien sie nicht. «Sie sind Kriegsverbrechen.»

Krieg weitet sich aus

Die Regierung der Republik Moldau beschuldigte Russland, bei den Raketenangriffen den moldauischen Luftraum verletzt zu haben. In Belarus kündigte Machthaber Alexander Lukaschenko die Bildung einer regionalen Militäreinheit der Streitkräfte des Landes mit der russischen Armee an. Dies habe er mit Putin vereinbart, sagte Lukaschenko, der schon zuvor seine Militärbasen den russischen Streitkräften zur Verfügung gestellt hatte. Die Ukraine sieht Belarus bereits als Kriegspartei.

Russische Experten sahen in dem Raketenfeuer ein neues Zeichen für Putins Verzweiflung und Ausweglosigkeit nach Monaten des Krieges ohne echte Erfolge. Der Kremlchef mache sich zur «Geisel der Situation» und seines kriegslüsternen Umfeldes, das um das eigene politische Überleben fürchte im Fall einer Niederlage, meinte die Politologin Tatjana Stanowaja. Der Experte Abbas Galljamow, der für Putin früher mal Reden schrieb, sprach von einer Schande für die Nation und einem «dummen Mord an Zivilisten». Der Politologe sagte: «Da ist keine Demonstration von Stärke, das ist eine Demonstration von Ohnmacht.»

Illustrationen: Генеральний штаб ЗСУ / General Staff of the Armed Forces of Ukraine

Angriffe auf zivile Ziele in der Ukraine werden verurteilt

Die Russische Föderation wird allmählich als terroristischer Staat wahrgenommen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat die russischen Angriffe auf zivile Ziele in der Ukraine verurteilt. Diese seien «entsetzlich» und «rücksichtslos», schrieb Stoltenberg am Montag nach einem Gespräch mit dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba auf Twitter. Er hat nochmal bestätigt, die Nato werde das tapfere ukrainische Volk weiterhin unterstützen, sich gegen die Aggression des Kremls zu wehren, so lange es nötig sei.

Die estnische Ministerpräsidentin Kaja Kallas spricht darüber, warum die richtige Antwort auf Russlands Eskalation Einigkeit und Stärke ist, nicht Angst. So betohnt, es gebe keinen Raum für Verhandlungen mit Terroristen.

Biden: Angriffe auf Ukraine zeigen «äußerste Brutalität» Putins

US-Präsident Joe Biden hat die russischen Raketenangriffe auf die Ukraine «aufs Schärfste» verurteilt. Sie zeigten einmal mehr «die äußerste Brutalität des illegalen Krieges» von Kremlchef Wladimir Putin gegen das ukrainische Volk, erklärte Biden am Montag. Die Angriffe bestärkten die US-Regierung darin, dem ukrainischen Volk beizustehen, so lange es nötig sei. Man werde Russland weiterhin gemeinsam mit den internationalen Partnern zur Rechenschaft ziehen. «Wir fordern Russland erneut auf, diese unprovozierte Aggression sofort zu beenden und seine Truppen aus der Ukraine abzuziehen», so Biden.

US-Außenminister Antony Blinken versicherte seinem ukrainischen Amtskollegen Dmytro Kuleba angesichts der Angriffe in einem Telefonat die «unerschütterliche wirtschaftliche, humanitäre und sicherheitspolitische Hilfe» der US-Regierung. Die Attacken vom Montag, bei denen landesweit mehrere Menschen getötet wurden, gelten als Reaktion des Kremls auf die Explosion an der für Russland strategisch wichtigen Brücke zur annektierten Halbinsel Krim.

Illustrationen: Генеральний штаб ЗСУ / General Staff of the Armed Forces of Ukraine

Worte der Unterstützung an die Ukrainerinnen und Ukrainer von Ursula von der Leyen und Kaja Kallas

🇪🇺 🇺🇦 Die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen und die estnische Ministerpräsidentin Kaja Kallas richteten nach dem morgendlichen massiven russischen Raketenangriff auf die Ukraine am 10. Oktober Worte der Unterstützung an die Ukrainerinnen und Ukrainer und nahmen in der Nähe der Grenze zwischen der Europäischen Union und Russland eine gemeinsame Ansprache auf.