Gerhard Schröder droht Deutschland weiterhin pro bono

15.08.2022

Deutschland und Russland befinden sich am Punkt der tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Moskau nennt den Krieg in der Ukraine keinen „Krieg“, sondern täuscht seine eigene Bevölkerung (und sich selbst), indem es diesen Angriffskrieg als „militärische Sonderoperation“ bezeichnet.

Berlin spielt mit Moskau zusammen

Einerseits liefert Deutschland Waffen und andere Hilfsgüter an die Ukraine und beteiligt sich an den antirussischen Sanktionen. Andererseits gibt Deutschland immer noch vor, dass es einige Kontakte und sogar Verhandlungen mit dem Kreml gibt. Anders als die Ukraine sieht Deutschland die Ereignisse in diesem Land nicht als vollständigen Krieg an. Andernfalls müssten wir Deutschland, die gesamte Europäische Union und die NATO als Kriegspartei gegenüber Russland betrachten. Aber es ist dieser letzte Punkt, den bisher noch niemand in den Beziehungen zu Russland umgesetzt hat.

Unter diesen Bedingungen sind die derzeitige Regierung Deutschlands, der Bundestag und die gesamte Bevölkerung des Landes doch gespalten. Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die auf keinen Fall eine Wiederholung des Krieges mit Russland wollen. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, für die Putin und seine Gruppe eine direkte Fortsetzung des zaristischen und sowjetischen Russlands sind, jedoch mit einer neuen ideologischen Füllung des russischen Nationalismus.

In der Russischen Föderation selbst sind die Befürworter der neuen russischen Ideologie in der Mehrheit. In Deutschland dagegen teilt die Mehrheit der Bevölkerung die gesamteuropäische supranationale Dominanz: im Westen Deutschlands – in größerem Umfang als in den Ländern der ehemaligen DDR. Altkanzler Gerhard Schröder hat in diesem Zusammenhang aufgehört, die Position seiner Partei, der SPD, zu vertreten. Außerdem ist er nicht einmal mehr der „alte Kanzler“ Deutschlands, der in den Dienst eines anderen Staates wechselte.

Heute ist Schröder der bevollmächtigte Vertreter des Kremls in Deutschland

Genau wie sein Kreml-Chef Putin nutzt Schröder die Institutionen des Rechtsstaats, um dem Kreml nützlich zu bleiben. Die Sozialdemokraten schafften es nicht, Schröder aus der SPD auszuschließen, und am nächsten Tag nach der diesbezüglichen Gerichtsentscheidung entschied Schröder gerichtlich, die ihm vom Bundestag entzogenen Privilegien wiederzuerlangen.

Diese Maßnahmen Schröders erfolgten zweifellos auf Anweisung des Kremls. In Deutschland ist Schröder als Putin-Agent in Ungnade gefallen. Zunächst (2000-2004) schien es Putin, dass der Beitritt der Ukraine zur Russischen Föderation durch Öl- und Gaserpressung der Ukraine unter Beteiligung Europas erreicht werden könnte. Nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzlerposten und seinem Wechsel zu Rosneft und Nordstream war Schröder der wichtigste europäische Lobbyist für die antiukrainische Politik des Kremls. Milliarden von Euro wurden buchstäblich in der Ostsee ertränkt, nur um die Öl- und Gaslieferungen durch die Ukraine abzuschneiden. Jetzt ist der ganzen Welt die fast ein Vierteljahrhundert dauernde Politik der Russischen Föderation zur Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit und der Übernahme der Ukraine durch Russland als neuer nationaler Superstaat Eurasiens klar geworden. Es besteht nicht der geringste Zweifel, dass Schröder-Merkels Deutschland bei dieser Politik die Rolle eines Assistenten der Russischen Föderation hätte spielen sollen.

Moskau führt einen hybriden Krieg:

Mit militärischen Mitteln versucht es, die Ukraine zu zerstören, mit Energieerpressung versucht es, die Europäer mit der Kälte im Winter 2022/2023 zu erschrecken. Um zu bekommen, was sie wollen, wiederholen Putin, Schröder und Trump immer wieder, müsse die Ukraine einfach die Rolle eines Satelliten Moskaus akzeptieren und aufhören, als souveräner Staat zu existieren. Sonst, so Moskau, werden Zehntausende von Menschen sterben und die Europäer ohne russisches Gas erfrieren.

Deutschland ist das EU-Land, dessen allgemein prorussische Haltung seit mehr als einem halben Jahrhundert unverändert geblieben ist. Die beiden letzten deutschen Bundeskanzler, Gerhard Schröder und Angela Merkel, werden nun vom Kreml in vollem Umfang ihres symbolischen Kapitals gebraucht. Schröder nicht aus der SPD auszuschließen, es ist ein großer Sieg. Die Rettung von Schröders eigenem Kabinett und Sekretariat im Bundestag ist eine wichtige Voraussetzung für das Eindringen in die höchste gesetzgebende Körperschaft Deutschlands.

Gerhard Schröder selbst möchte seine Romanze mit den Russen vielleicht nicht fortsetzen

Wegen drohender Sanktionen aus den USA musste Schröder hohe Positionen im russischen Staatsgeschäft aufgeben. Aber seine Verpflichtungen gegenüber Putin gelten offensichtlich immer noch. Und am Ende seiner politischen Karriere versucht Schröder, zumindest einen Teil der politischen Maske zu bewahren, die er als Bundeskanzler trug. Dieses Spektakel ist umso ekelhafter, als Schröder durchaus versteht, für wen er arbeitet – jetzt nicht für millionenschwere „Honorare“, sondern ehrenamtlich, als Freiwilliger, wie irgendein Sozialist. Und das ist für einen Neureichen doppelt beleidigend.

Illustration: Nadja Kuraeva

 


Sie können unter Angabe eines Links zu netschrift.de unsere Artikel kopieren und in anderen Beiträgen und sozialen Netzwerken teilen und als Quelle verwenden.

Wöchentliche Benachrichtigungen zu den neuen Beiträgen in unserem Newsletter.

Subscriben Sie unseren Newsletter jetzt, um über alle Neuigkeiten informiert zu sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert