Erpressung als Instrument der Politik

14.07.2022

Kiew (dpa) – Bei einem russischen Raketenangriff sind heute im Zentrum der ukrainischen Großstadt Winnyzja im Westen des Landes nach ukrainischen Angaben mindestens 20 Menschen getötet worden. Weitere 90 Menschen seien verletzt worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem «offenen terroristischen Akt». Russland töte jeden Tag Zivilisten und greife mit Raketen zivile Objekte an, in denen sich keine Soldaten aufhielten. «Unmenschen. Mörderstaat. Terrorstaat», schrieb Selenskyj im Nachrichtendienst Telegram.

Putins Herrschaft begann mit den Sprengstoffanschläge vom August/September 1999, die angeblich von Tschetschenen in Moskau verübt wurden und Putins Griff nach der Macht und den brutalen Krieg in Tschetschenien rechtfertigten – wer die Wohnhäuser in Moskau mit hunderten von Toten wirklich in die Luft sprengte, wurde nie untersucht, denn offenbar waren es die Sicherheitsorgane selbst, die das Chaos erst schufen, aus dem Putin das Land dann “erretten” konnte… 

Seine Regierungszeit setzte sich mit zahlreichen Morden fort und geht nun mit dem Vernichtungskrieg gegen die Ukraine ihrem Ende entgegen. Und zwar nicht mit irgendwelchen Bombendrohungen: Zu Beginn seiner Herrschaft nahm Putin die Bevölkerung seines Landes als Geiseln, inzwischen die ganze Welt. Die Spirale der Gewalt könnte an ihr Ende kommen – mittlerweile ist es möglich, dass weite Teile der Welt von russischen Atombomben ausgelöscht werden.

Warum schlafen so viele weiter? Warum halten wir uns mit Kinkerlitzchen auf, wenn es um’s Ganze geht?

Wir haben seinen Drohungen, die Ukraine anzugreifen, keinen Glauben geschenkt. Aber er tat es. Noch 2018 sagte er beim Treffen des Waldai-Klubs auf die Frage, wie er auf einen Angriff mit Atombomben reagieren würde sinngemäß, die russische Militärdoktrin kenne keinen atomaren Erstschlag, aber Russland würde den Gegner vernichten. “Wir kommen als Märtyrer in den Himmel, die Angreifer werden verrecken“.

Winnyzja 14.07.22

Heute droht er offen damit, gegebenenfalls auch Atombomben einzusetzen. Haben wir Grund, ihm keinen Glauben zu schenken?

Warum ist Deutschland dann so wild darauf, dass das Gas aus den Sanktionen herausgenommen wird? Warum machen wir uns solche Sorgen, ob die Milchproduktion leidet oder die Brauereien nicht genug Bier produzieren? Das ist alles schön und beachtenswert. Aber die Sorge um eine angenehme Temperatur im Wohnzimmer, wenn ebendort bald ein nuklearer Atomsprengkopf explodieren könnte, scheint doch etwas unangebracht.

Der deutschen Presse zufolge fragt man sich in Deutschland ernsthaft, ob Putin den Gashahn aufdrehen wird, wenn die Wartungsarbeiten abgeschlossen sind. Erinnert das nicht an das co-abhängige Verhalten der Familie eines Komatrinkers, der, wenn er nach Hause kommt, jederzeit seine Ehefrau erschlagen könnte, den Sohn treten, die Tochter vergewaltigen, den Nachbarn erschießen oder sogar sein Haus in Brand stecken. Der stets bereit ist, selbst zu sterben und seine nahen und fernen Nachbarn mit ins Grab zu nehmen? 

Man möchte glauben, dass das, was jetzt in Deutschland geschieht, nämlich einen Präzedenzfall für die Aufhebung der Sanktionen zu schaffen (siehe die Turbinenlieferung aus Kanada), nur eine Tarnung ist, mit der die deutsche Politik versucht, einen gefährlichen Gegner von ihrer Hilflosigkeit zu überzeugen, während sie gleichzeitig Kräfte für den Widerstand sammelt.

Illustrationen: dsns.gov.ua

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