Butscha auf dem Ku’damm

31.08.2022

„Testament of Butcha“: Eine Installation mit einem ausgebrannten Auto wurde am Kudam in Berlin eröffnet.

Die Organisatoren der Ausstellung haben ihr Ziel erreicht: Das Grauen des Krieges ist nicht mehr abstrakt, es ist sichtbar geworden.

Das zerstörte Auto ist eine schmerzliche Erinnerung an den andauernden Krieg auf dem europäischen Kontinent, der unsere Demokratien erneut in Gefahr bringt! Im Mittelpunkt der Installation steht ein authentischer, zerschossener und ausgebrannter Pkw, in dem die 53-jährige Tamila Mischtschenko, ihre 14-jährige Tochter Hanna sowie zwei weitere Frauen ‒ Zhanna Kameneva und Maria Ilchuk ‒ versuchten, aus dem besetzten Butscha zu fliehen. Leider schafften sie es nicht aus der Stadt und wurden von der russischen Armee getötet. Erst nach der Befreiung der Stadt wurden ihre Überreste in dem Fahrzeug gefunden, das Sie heute sehen können, so wird die Installation beschrieben.

Die erschreckenden Bilder aus der Stadt Butscha in der Region Kiew sind inzwischen weltweit bekannt geworden. Während der Besatzung durch das russische Militär gab es in dem Ort eine Vielzahl von Kriegsverbrechen. Hunderte von Häusern wurden niedergebrannt und Hunderte von Menschen getötet. Viele konnten nicht glauben, dass ein solches Maß an Brutalität im einundzwanzigsten Jahrhundert möglich ist.

Als europäische Politikerinnen und Politiker im April und Mai begannen, Butscha und andere befreite Städte in der Region Kiew zu besuchen, waren sie von dem Ausmaß der Zerstörung beeindruckt. Die deutsche Außenministerin Annalena Berbock sagte damals: „Butscha ist zum Symbol geworden. Für unvorstellbare Verbrechen, für Folter, Vergewaltigung, Mord. Die Unvorstellbarkeit lässt diesen Ort weit weg erscheinen. Und dann steht man hier und begreift: „Butscha ist eine ganz normale, friedliche Vorstadt. Es hätte jeden treffen können“.

Mit eigenen Augen zu sehen, welche Folgen die Verbrechen in Butscha haben, berührt die Menschen zutiefst. Es ist anders, als Bilder auf dem Bildschirm zu betrachten. Jetzt können die Einwohner Berlins und Besucher den Krieg berühren, ohne die Ukraine zu besuchen. Die Ausstellung „Testament von Butscha“ wurde in der deutschen Hauptstadt eröffnet. Der Standort ist der George-Grosz-Platz. Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. September.

Wir sprachen mit Passanten darüber, ob der Schrecken des Krieges sichtbar geworden sei.

 

Eckdaten
Die Kultur- und Bildungskampagne „Testament von Bucha“ ist ein ukrainisch-deutsches Projekt, das die Aufmerksamkeit der deutschen und europäischen Gesellschaft auf die Ereignisse in der Ukraine lenken und die Wahrheit über den Krieg erzählen soll. Die Initiatoren des Projekts waren Andriy Radnyuk, Leiter der ukrainischen Seite des Projekts und Geschäftsführer der NGO Synergicon, und Roman Braesku-Semenishin, Leiter der Wohltätigkeitsstiftung Kamenezskaya ATO Relief Centre. Alexander Spack, Balletttänzer und Executive Producer von Ballet for Life in Berlin, ist der offizielle Leiter des Organisationskomitees aus Deutschland. Der Hauptmitveranstalter auf deutscher Seite ist die Regnum Legis Gesellschaft für rechtsstaatliches Bewusstsein gGmbH, eine gemeinnützige Organisation, die sich für den Erhalt der Rechtsstaatlichkeit in Deutschland einsetzt. Sie unterstützt Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, um das Bewusstsein für Rechtsstaatlichkeit zu schärfen. Mindestens 458 Zivilisten wurden während der Besatzung in und um Bucha getötet. 21 von ihnen waren Kinder, so die stellvertretende Bürgermeisterin Mykhailina Skoryk.

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